Warum haben wir Schmerzen?

Aua! Schmerzen sind für unseren Körper ganz schön wichtig. Wir haben mit dem Orthopäden und Schmerztherapeuten Dr. Jens Adermann gesprochen. Er erzählt uns, warum Schmerzen wehtun und was man machen kann, wenn sie nicht weggehen.

Was sind Schmerzen?

Schmerzen sind ein Warnhinweis unseres Körpers. Wenn wir zum Beispiel auf eine heiße Herdplatte fassen, ziehen wir die Hand schnell zurück und verhindern so, dass wir uns die Haut verbrennen. Schmerzen sagen uns auch, dass etwas im Körper nicht in Ordnung ist. Wenn nach einem Sturz ein Bein gebrochen ist, verhindern die Schmerzen, dass wir das Bein belasten. Schmerzen sind also sehr sinnvoll. Ein Leben ohne Schmerzen wäre überhaupt nicht gut.

Wie entstehen Schmerzen?

Jeder von uns hat Schmerzfasern, vor allem in der Haut. Diese Nerven geben den Schmerz an das Gehirn weiter. Auch in den Muskeln und im Bauch haben wir diese Schmerzfasern.

Wenn man sich den Arm stößt, tut das richtig stechend weh. Bauchschmerzen sind ganz anders. Warum?

Das hängt mit den Schmerzfasern zusammen. Es gibt zum Beispiel schnellleitende Schmerzfasern in der Haut. Bei einem Schnitt informieren sie blitzschnell das Gehirn. Wenn man sich beim Basteln mit der Schere schneidet, müssen die Hände schließlich ganz schnell wissen, dass sie nicht weiter schneiden sollen. Im Bauch haben wir viele langsam leitende Schmerzfasern. Sie nehmen den Schmerz großflächiger wahr. Der Schmerz fühlt sich dadurch oft dumpfer an.

Wie lange dauern Schmerzen?

Schmerzen können ihre Warnfunktion verlieren und sehr lange dauern. Dann heißen sie „chronische“ Schmerzen. Das passiert manchmal bei Rücken- oder Kopfschmerzen. Es kann sein, dass die Schmerzfasern zu empfindlich geworden sind oder dass der Schmerz mit der Zeit anders wahrgenommen wird. Wenn Menschen sehr lange traurig oder einsam sind, nehmen sie Schmerzen manchmal auch ganz anders wahr. Dann gibt es keine körperliche Ursache mehr, aber der Schmerz ist trotzdem da. An diesen Schmerzen arbeiten Schmerztherapeuten. Für Kinder gibt es spezielle Kinder-Schmerzkliniken.

Was kann man dann machen?

Oft helfen Gespräche mit einem Psychotherapeuten – das ist ein spezieller Arzt für unser Fühlen und Denken – oder eine Verhaltenstherapie, bei denen die Patienten lernen, sich zu entspannen und mit ihren Schmerzen umzugehen. Außerdem gibt es Medikamente, die speziell bei chronischen Schmerzen eingesetzt werden.

Es heißt „Lachen ist die beste Medizin“. Hilft das auch bei Schmerzen?

Auf jeden Fall! Bei chronischen Schmerzen ist es wichtig, sich abzulenken. Deshalb gibt es in den Krankenhäusern zum Beispiel auch Clowns, welche die Kinder besuchen. Oft hilft bei Schmerzen auch, sich zu bewegen und Sport zu treiben.

Fühlen sich Schmerzen für alle gleich an?

Nein, jeder Mensch nimmt Schmerzen anders wahr. Einige Menschen sind schmerzempfindlicher als andere. Das hat auch damit zu tun, wie in der eigenen Familie mit Schmerzen umgegangen wird. Kinder lernen das schon sehr früh. Das beeinflusst unser Schmerzempfinden.

Haben Tiere auch Schmerzen?

Ja, auf jeden Fall! Wir wissen, dass Wirbeltiere wie Hunde oder Katzen Schmerzen empfinden können. Wie es bei anderen Tieren wie Würmern oder Insekten aussieht, ist noch nicht ganz geklärt. Daher darf man Tieren auch keine Schmerzen zufügen.

 

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