Wer hat entdeckt, dass Raupen Seide herstellen?

Fühlt sich das schön an! Hast Du schon einmal ein Stück reiner Seide berührt? Der edle Stoff wird von kleinen Raupen hergestellt. Wer hat das entdeckt, fragt Liza (8) aus der Klasse 3a der August-Gaul-Schule in Hanau. Und Dragos (9) aus derselben Klasse will wissen: Wie wird Stoff hergestellt? Wir haben für beide eine Antwort.

Seide ist einer der teuersten Stoffe der Welt. Sie wird von Seidenraupen hergestellt. Vielleicht weißt Du schon: Viele Raupen-Arten verwandeln sich im Laufe ihres Lebens in einen Schmetterling. Seidenraupen wickeln sich dafür in einen langen Faden aus Seide ein. Diese dicke Hülle nennt man Kokon. Er schützt die Raupe, bis sie nach mehreren Tagen als Schmetterling schlüpft.

Mehrere Hundert Meter Seidenfaden

Der Seidenfaden für den Kokon ist mehrere Hundert Meter lang. Die Raupe hat ihn selbst hergestellt, indem sie eine klebrige Flüssigkeit aus einer Drüse am Kopf herausgepresst hat. Natürlich macht sie die Seide für sich selbst und nicht für uns Menschen.

Kokons eingesammelt

So sehen die Kokons der Seidenraupe aus. Foto: Dieter Schütz/pixelio.de

Vor vielen Tausend Jahren haben Menschen angefangen, die Kokons der Seidenraupe von den Bäumen einzusammeln. Wie bei vielen Dingen, die vor langer Zeit passiert sind, wissen wir heute nicht mehr, wer das als Erster gemacht hat. Es gibt mehrere Erzählungen – so soll ein chinesischer Kaiser die Seidenraupen entdeckt haben. Ob das stimmt? Vielleicht ist es auch nur eine schöne Geschichte. Auf jeden Fall ist den Menschen aufgefallen, wie weich und fein die Kokons der Seidenraupe waren. In China fing man damals an, Seidenraupen zu züchten. So bekam man möglichst viel Seide, ohne sie draußen von den Bäumen einsammeln zu müssen.

Fäden zum Stoff gewebt

Aus den Kokons zwirbelt man ganz feine Fäden, die man später färben und weben kann. Früher wurde Seide auf großen Webstühlen gewebt. Heute machen das Maschinen. Und das ist unsere Antwort auf die zweite Frage, „Wie wird Stoff hergestellt?“: Stoff wird gewebt.

Kettfäden und Schussfäden

Schau Dir einmal an, was Du heute anhast. Vielleicht eine Jeans und einen Pullover? Wenn Du ganz genau hinsiehst, entdeckst Du, dass der Stoff aus vielen Fäden besteht. Klar, Stoffe fühlen sich unterschiedlich an, sind aus Baumwoll- oder aus Kunststoff-Fasern. Aber immer sind die Fäden miteinander durch Weben verbunden. Beim Weben gibt es „Kettfäden“ – das sind lange Fäden, die nebeneinander fest in einem Webrahmen eingespannt sind. Das sieht ein bisschen aus wie die Saiten einer Gitarre. Ein „Schussfaden“ wird immer wieder unter und über den Kettfäden durchgezogen. Besonders gut siehst Du das bei dem Jute-Stoff auf diesem Bild:

Kett- und Schussfäden bei einem Stück Jute-Stoff. Foto: M. Großmann/pixelio.de

Entwicklung des Webstuhls

Damit man nicht jeden Faden einzeln durch Hunderte von Kettfäden ziehen muss, hebt ein Webstuhl die Hälfte der Kettfäden an – und zack, wird der Schussfaden durchgezogen. So wächst der Stoff Stück für Stück weiter und man kann sogar Muster weben, wenn man die Farbe wechselt.

Auf so einem Webstuhl wurde früher Seide gewebt. Foto: Dieter Schütz/pixelio.de

Moderne Webmaschinen

Moderne Webstühle sind Hochleistungsmaschinen: Sie weben den Stoff viel schneller, als wir gucken können. Sie werden über Computer gesteuert und jagen in jeder Minute mehr als 2000 Reihen Schussfäden durch die Kettfäden.

 

Foto Titel: Lichtkunst.73/pixelio.de